Snacks zur Blauen Stunde

Foto: SeventyFour/Getty Images.
Redaktion24.09.2020MAGAZIN | Konzepte

Barfood muss weder aufwendig sein noch aus vielen Zutaten bestehen. Der Koch und Buchautor Stevan Paul verrät, was Gäste zur Blauen Stunde glücklich macht.

Kaum eine Tageszeit ist so inspirierend wie die Dämmerung. Was könnte naheliegender sein, als die stimmungsvolle kleine Weile zwischen Tag und Nacht mit einem Snack zu genießen? Nichts Üppiges, sondern „einfach“ im besten Sinne. Barfood eben – serviert zu erfrischenden Drinks auf Eis und lauschiger Musik. Es soll Lust auf den Abend machen, zum Entspannen und Genießen anregen. Barfood verkörpert ein Lebensgefühl, das Gästen aus schönen Urlaubsstunden in Italien, Spanien oder Frankreich geläufig ist. Hier gehört es zum guten Ton, vor dem Abendessen in Gesellschaft etwas Kleines zu sich zu nehmen.

Gepflegte Tresenküche
Einer, der sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und dem Barfood zur Blauen Stunde sogar ein eigenes Kochbuch gewidmet hat, ist Autor Stevan Paul. „Barfood, das ist viel mehr als salzige Nüsse oder anderes Knabberzeug“, weiß er. Die Idee zum Buch kam ihm bei einer Japanreise. „Ich habe mit vielem gerechnet, aber eben nicht damit, ausgerechnet hier die Kneipenküche für mich zu entdecken“, erzählt der gelernte Koch. Fortan achtete Stevan Paul vermehrt darauf, was die Genießerküche zu bieten hat, und sammelt ländertypische Barfood-Spezialitäten aus Marokko, Ungarn, Belgien, aus der Türkei und der Schweiz – eigentlich aus jedem Land, das er in den letzten zehn Jahren bereiste.

Alles ist erlaubt
Die Wiederentdeckung des Barfoods versteht der Koch als eine Art Gegenbewegung zur allgegenwärtigen Askese. „Ich wollte mit dem ständigen Verzicht bewusst brechen. Mit diesem ‚bitte ohne…‘, das in der Küche schon keiner mehr hören mag, dieses Reglementieren von außen“, betont er. „Die Blaue Stunde symbolisiert diesen Moment, in dem man sich einfach etwas gönnt. Zur Blauen Stunde ist alles erlaubt ist, was Spaß macht: Zucker, Alkohol, Fett.“ Und so widmet er das Buch jenen Menschen die das Leben in vollen Zügen genießen und Spaß an süffigen, fröhlichen Gerichten haben.

Barfood ist schnell gemacht, möglichst unkompliziert und im Idealfall ist alles fertig vorbereitet, bevor die ersten Gäste kommen. So können sich Gastronomen voll und ganz auf das Gastgebersein konzentrieren und sich ihren Gästen widmen.

Kleinigkeiten mit viel Liebe zum Geschmack
Seine schönsten Blauen Stunden hat Stevan Paul übrigens in Padina und Lissabon erlebt. In der Hauptstadt Portugals, in einem der unzähligen Straßenlokale auf dem Flanier-Boulevard der palmen- und platanengesäumten Prachtstraße Avenida da Liberdade, wo sich die Nachbarschaft zum abendlichen Tanz trifft, genoss er zweierlei Fischsalat mit Sardinen, Thunfisch und Stockfisch. Abgeschmeckt mit gutem Öl, feinem Essig, Gewürzen und Kräutern wurden sie in der Fischdose angerichtet. Gerade die Art des Anrichtens – praktisch, handlich und appetitlich zugleich – ist typisch für gelungenes Barfood.

Etwas rustikaler wird’s mit Haggis Meat Balls, einer Abwandlung des schottischen Traditionsgerichts, für das Schafsmagen mit gehackten Innereien, Nierenfett, Zwiebeln und Hafermehl gefüllt wird. In englischen Pubs kommen stattdessen ähnlich zubereitete Hackbällchen zu einer süßlichen, scharfen Sauce mit Preiselbeeren, Chili und Apfel auf den Tisch.

ZUM BUCH

Stevan Paul: Blaue Stunde.Rezepte, die den Abend feiern.

  • Neben einer Menge Rezepten und Geschichten zum Schmunzeln, eine Playlist, die zu einer kulinarischen-musikalischen Weltreise einlädt
  • 256 Seiten
  • 35,00 €
  • Brandstätter Verlag