Lange Nacht der Ernährung: Branche diskutiert regionale Lebensmittel und digitale Wertschöpfungsketten

Vorstand von Ernährung-NRW mit NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen bei der Langen Nacht der Ernährung 2026 in Bergisch Gladbach
Vorstand von Ernährung-NRW e. V. mit NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen bei der „Langen Nacht der Ernährung 2026“ in Bergisch Gladbach. Foto: © ©Jörg Meyer, jumpr
Redaktion 11.03.2026 AKTUELLES  |  News

Bei der „Langen Nacht der Ernährung 2026“ in Bergisch Gladbach standen regionale Lebensmittel, digitale Vernetzung und neue Geschäftsmodelle im Mittelpunkt. Vertreter aus Landwirtschaft, Ernährungswirtschaft, Gastronomie, Wissenschaft und Start-ups diskutierten über Perspektiven für die Lebensmittelwirtschaft in Nordrhein-Westfalen.

Beim Branchentreffen „Lange Nacht der Ernährung 2026“, zu dem der Verein Ernährung-NRW e. V. nach Bergisch Gladbach eingeladen hatte, kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Ernährungswirtschaft, Lebensmittelhandwerk, Handel, Wissenschaft und Start-ups zusammen. Ziel der Veranstaltung war der Austausch über Perspektiven einer zukunftsfähigen Ernährung sowie über neue Formen der Zusammenarbeit entlang der regionalen Wertschöpfungsketten. 

Die Veranstaltung wurde von Andreas Heinz, Vorsitzender von Ernährung-NRW e. V., eröffnet. Ein Grußwort sprach NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen. Sie betonte die Bedeutung der Land- und Ernährungswirtschaft für Wertschöpfung, Innovation und regionale Entwicklung in Nordrhein-Westfalen und verwies auf die Rolle regionaler Lebensmittel sowie funktionierender Netzwerke für eine zukunftsfähige Ernährungskultur. 

Digitale Plattform vernetzt regionale Lebensmittelanbieter

Ein Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf der digitalen Vernetzung der Branche. Dr. Svea Pacyna-Schürheck, Vorständin von Ernährung-NRW e. V., stellte die weiterentwickelte Plattform „Die Mahlzeitenmacher“ vor. Das digitale Angebot vernetzt regionale Erzeuger, Produzenten, Verarbeiter und Logistikunternehmen mit Betrieben der Außer-Haus-Verpflegung wie Kantinen, Caterern oder Gastronomiebetrieben. 

Ziel der Plattform ist es, (bio-)regionale Lebensmittelangebote sichtbarer zu machen und direkte Kontakte entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu ermöglichen.

„Mit den Mahlzeitenmachern schaffen wir ein digitales Netzwerk, das Angebot und Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln transparent zusammenbringt und neue Partnerschaften in der Außer-Haus-Verpflegung ermöglicht“, erklärte Dr. Pacyna-Schürheck. 

Gleichzeitig rief sie Unternehmen der gesamten Lebensmittelkette zur Teilnahme auf:

„Alle Akteure – von der Landwirtschaft über Produktion, Verarbeitung und Logistik bis hin zu Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung – können sich kostenfrei anmelden und sich so leicht und unkompliziert über Angebot und Nachfrage regionaler Produkte und Dienstleistungen informieren. Je mehr Unternehmen mitmachen, desto besser stärken wir gemeinsam die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln und die regionale Lebensmittelwirtschaft in NRW." 

Datenökosysteme als Zukunftsthema der Landwirtschaft

Ein weiterer Programmpunkt widmete sich der digitalen Transformation der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Dr. Matthias Nachtmann, Vorstand von Friends for Digital Farming e. V., sprach über sogenannte souveräne Datenökosysteme.

Er verwies darauf, dass neben landwirtschaftlichen Produkten zunehmend auch Daten – etwa zu Herkunft, Produktionsbedingungen oder CO₂-Bilanzen – wirtschaftliche Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig entstehen entlang der Wertschöpfungskette große Datenmengen, etwa durch Sensorik auf dem Feld oder digitale Managementsysteme, die bislang häufig isoliert in einzelnen Systemen verbleiben. 

Als Lösungsansatz nannte Nachtmann gemeinsame Datenräume für einen sicheren und regelbasierten Datenaustausch zwischen Landwirtschaft, Industrie, Handel, Forschung und Behörden. Sein Fazit:

„Die Zukunft der Landwirtschaft entscheidet sich nicht nur auf dem Feld, sondern in der Fähigkeit, Daten gemeinsam zu nutzen. Die Technologien existieren bereits – die eigentliche Herausforderung ist die Zusammenarbeit.“ 

Food-Start-up verbindet Tradition und Convenience

Mit unternehmerischen Perspektiven aus der Food-Start-up-Szene beschäftigte sich der Beitrag von Minever Zevker, Gründerin und CEO des Unternehmens Miss Mineva’s. Ihr Konzept basiert auf Tarhana, einer fermentierten Suppe aus dem östlichen Mittelmeerraum, die zu modernen veganen Instantgerichten weiterentwickelt wurde. 

Die Produkte bestehen nach Angaben des Unternehmens aus natürlichen Zutaten und nutzen Fermentation, um Haltbarkeit ohne Kühlung zu ermöglichen. Zevker sprach zugleich über Herausforderungen beim Aufbau eines Start-ups und verwies auf die geringe Erfolgsquote junger Unternehmen.

„Man braucht Mut, Ausdauer und Sichtbarkeit. Gerade am Anfang können Preise, Medienberichte und Netzwerke entscheidend sein, um einer guten Idee die Chance zu geben, sich am Markt zu behaupten.“ 

Austausch als zentrales Element der Veranstaltung

Den Abschluss des Programms bildete ein Vortrag von Unternehmer Jürgen H. Krenzer zum Thema unternehmerische Haltung und zum Verhältnis von Preis und Wert.

Die „Lange Nacht der Ernährung“ endete mit einer offenen Diskussion und einem anschließenden Get-together. Der Austausch zwischen den Akteuren der Land- und Ernährungswirtschaft stand dabei im Mittelpunkt – ein Anliegen, das der Verein Ernährung-NRW e. V. seit Jahren mit seiner Netzwerkarbeit verfolgt.

Quelle: www.nrw-isst-gut.de