DZG fordert Arbeitszeitflexibilisierung, KI-Offensive und Weiterentwicklung der Tourismusstrategie

Vertreter der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt im Gespräch mit Tourismuskoordinator Dr. Christoph Ploß in Berlin
Foto: Im Austausch: DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge, DZG-Aufsichtsratsmitglied Alexandra Wolframm, Tourismuskoordinator Dr. Christoph Ploß MdB, und DZG-Aufsichtsratschefin Homeira Amiri (von links). Foto:© DZG.
Redaktion 28.04.2026 AKTUELLES  |  News

Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) wirbt bei der Bundespolitik für zentrale Reformen in der Gastwelt. Im Fokus stehen Arbeitszeitflexibilisierung, eine KI-Offensive sowie die Weiterentwicklung der Nationalen Tourismusstrategie.

Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) hat in Gesprächen mit Spitzenpolitikern in Berlin zentrale Forderungen zur Stabilisierung und Weiterentwicklung der Branche formuliert. Angesichts steigender Kosten und zurückhaltender Konsumausgaben sieht die Organisation Handlungsbedarf, um Umsätze und Margen im zweitgrößten Wertschöpfungssektor Deutschlands zu sichern. Zu den Gesprächspartnern zählten unter anderem der Tourismuskoordinator der Bundesregierung, Dr. Christoph Ploß MdB (CDU), sowie Stefan Zierke MdB, Vorsitzender der AG Tourismus der SPD-Bundestagsfraktion.

Arbeitszeitflexibilsierung im Fokus der Branche

Ein zentrales Anliegen der DZG ist die Flexibilisierung der Wochenarbeitszeit. Diese soll laut Koalitionsvertrag umgesetzt werden. „Im Gespräch mit dem Tourismuskoordinator war es für uns noch einmal wichtig, dass die Flexibilisierung der Wochenarbeitszeit – die ja fest im Koalitionsvertrag vereinbart ist – nun spätestens zum 01. Januar 2027 umgesetzt wird. Diese Maßnahme ist haushaltsneutral, hilft unseren 250.000 Gastwelt-Betrieben Nachfragespitzen effizienter besser zu bedienen und gibt unseren Beschäftigten ganz neue Möglichkeiten, z.B. die Kinderbetreuung einfacher zu organisieren“, unterstreicht DZG-Aufsichtsratsvorsitzende Homeira Amiri.

Tourismusstrategie soll weiterentwickelt werden

Mit Blick auf die im Januar 2026 vorgestellte Nationale Tourismusstrategie bewertet die DZG die Veröffentlichung grundsätzlich positiv. Gleichzeitig wirbt die Denkfabrik für Ergänzungen. „Die Strategie beinhaltet wichtige kurzfristige Maßnahmen, braucht aber unbedingt auch eine längerfristige strategische Perspektive sowie ein übergeordnetes Gesamtziel, auf das alle hinarbeiten“, so Amiri. Eine erweiterte Version der Strategie – eine „Strategie 2.0“ – werde derzeit erarbeitet und soll im Spätsommer 2026 vorgestellt werden.

KI und Digitalisierung als Schlüsselthemen

Ein weiterer Schwerpunkt der Gespräche lag auf Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz (KI). Dabei betont die DZG die unterstützende Rolle technologischer Lösungen im Gastgewerbe. „KI ersetzt keine Gastfreundschaft – sie verstärkt sie. Wenn Routineaufgaben automatisiert werden, gewinnen Mitarbeitende Zeit für das, was wirklich zählt: den persönlichen Kontakt mit dem Gast. Das ist die Stärke moderner Hotels und Restaurants, die auf intelligente Technologie setzen”, betont Aufsichtsratsmitglied Alexandra Wolframm.

Zur Finanzierung entsprechender Investitionen bringt die DZG die Idee einer eigenen Förderbank ins Spiel. Diese soll an die KfW angebunden sein und gezielt Digitalisierungs- und KI-Projekte unterstützen. „Wenn wir wollen, dass Digitalisierungs- und KI-Lösungen flächendeckend und schneller eingesetzt werden, müssen wir auch klären, woher die Mittel dafür kommen. Eine Gastwelt-Bank mit einem Förderfokus auf diese Themen könnte die digitale Transformation unserer Betriebe durch Förderzuschüsse und zinsgünstige Kredite substanziell beschleunigen“, so Wolframm.

Mehr Praxisnähe im politischen Dialog gefordert

Positiv bewertet die DZG zudem den Neustart des Branchendialogs mit dem Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen eines „Tourismuspolitischen Forums“. Gleichzeitig fordert die Organisation eine stärkere Einbindung von Unternehmerinnen und Unternehmern. „Wir wünschen uns bei dieser Gelegenheit, dass mehr Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Gastwelt einbezogen werden und nicht nur Verbände dort vertreten sind. Etwas mehr Praxisnähe würde dem Forum auf jeden Fall gut zu Gesicht stehen“, erklärt DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge.

Hintergrund: Gastwelt als zentraler Wirtschaftsfaktor

Die Gastwelt umfasst die Bereiche Beherbergung, Gastronomie, Foodservice, Tourismus und Freizeitwirtschaft. Laut DZG liegt ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt bei knapp 500 Milliarden Euro, bei rund 6,1 Millionen Beschäftigten. Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) vernetzt seit 2021 Akteure aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft und arbeitet an strategischen Zukunftsthemen wie Fachkräftesicherung, Digitalisierung und Wettbewerbsfähigkeit.

Quelle: www.zukunft-gastwelt.de