Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) legt eine Wachstumsagenda für Hotellerie, Gastronomie, Foodservice, Tourismus und Freizeitwirtschaft vor. Das Elf-Punkte-Programm setzt bei Steuern, Arbeit, Investitionen und Bürokratie an.
Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) fordert bessere politische Rahmenbedingungen für die Gastwelt. Nach Einschätzung der Organisation könne die stärker von der Binnennachfrage abhängige Branche resilienter gegenüber externen Schocks sein als exportabhängige Industrien. „Unter den richtigen politischen Rahmenbedingungen kann die Gastwelt zu einem noch stärkeren Wachstumstreiber werden. Dieses Chance sollte die Bundespolitik jetzt unbedingt nutzen und unseren Dienstleistungssektor mit seinen 6,1 Millionen Beschäftigen gezielt unterstützen“, erklärt DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge.
DZG will Konsum und Nachfrage stärken
Das Elf-Punkte-Programm setzt bei Arbeit, Steuern, Investitionen und Bürokratie an. Die DZG fordert unter anderem, den ermäßigten Umsatzsteuersatz auf Speisen und Beherbergung dauerhaft zu sichern und auf alkoholfreie Getränke auszuweiten. Zudem spricht sie sich gegen neue konsumdämpfende Sonderabgaben wie City-Tax-Ausweitungen oder Verpackungssteuern aus. Eine gezielte steuerliche Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen soll nach den Vorstellungen der Denkfabrik die Inlandsnachfrage stärken. Als mögliche Maßnahme nennt sie eine Lebensmittel-Entlastungspauschale von 300 Euro für einkommensteuerpflichtige Erwerbstätige.
„Unser Land stagniert seit Jahren, mit weitreichenden Folgen für das soziale Miteinander und das Vertrauen in politische Institutionen. Wir müssen daher jetzt vor allem den Binnenkonsum ankurbeln – das gelingt nur mit steuerlichen Entlastungen, die die Menschen wirklich in ihrer Geldbörse spüren“, sagt Klinge.
Flexible Arbeitszeit und Minijobs
Beim Thema Arbeit spricht sich die DZG für eine beschleunigte Einführung einer flexiblen Wochenarbeitszeit sowie praxistaugliche Ruhezeit- und Schichtmodelle für Saison-, Messe-, Event- und Gemeinschaftsverpflegungsbetriebe aus. Zugleich fordert sie den Erhalt der bisherigen Minijob-Regelung. Nach Angaben der DZG sind bundesweit rund sieben Millionen Menschen als Minijobber beschäftigt, 3,5 Millionen davon nutzen den Minijob als Zweitverdienst. In der Gastwelt wären laut DZG 1,1 bis 1,5 Millionen Menschen direkt von Änderungen betroffen.
Arbeitskräfte gewinnen, Investitionen erleichtern
Zur Gewinnung qualifizierter Arbeitskräfte aus dem Ausland schlägt die DZG ein „Fast-Track-Visum“ mit verbindlichen staatlichen Bearbeitungsfristen vor. Visa-, Anerkennungs- und Arbeitsaufnahmeverfahren sollen nach ihren Vorstellungen bis Ende 2027 vollständig digitalisiert werden. Weitere Vorschläge betreffen die Modernisierung der dualen Ausbildung und eine steuerliche Sonderabschreibung von 50 Prozent für den Bau von Mitarbeiterwohnraum.
Bei Investitionen fordert die Denkfabrik eine staatliche Investitionsprämie von mindestens 25 Prozent, beschleunigte steuerliche Abschreibungen sowie niedrigere Energie- und CO2-Kosten. Nach Angaben der DZG verschieben viele der rund 250.000 Gastwelt-Betriebe derzeit Investitionen in Digitalisierung, Robotik und Klimatechnik.
Darüber hinaus schlägt die Organisation eine eigene Gastwelt- und Tourismus-Bank vor, über die Fördermittel von Bund und Ländern zentral und digital abgerufen werden könnten. Förderbereiche könnten laut DZG Digitalisierung, KI und Robotik sein.
DZG fordert Bürokratie- und Steuermoratorium
Als kurzfristige Maßnahme fordert die DZG ein dreijähriges Moratorium für neue Steuern, Abgaben und Berichtspflichten sowie bundesweit einheitliche digitale Verfahren. Für die Logistikkette schlägt sie eine Entlastung nach dem Vorbild des Agrardiesels und ein Maut-Moratorium vor.
Auch bei Hotel-Pachtbetrieben sieht die Organisation Änderungsbedarf. Sie fordert eine Korrektur bei der gewerbesteuerlichen Hinzurechnung von Pachtzinsen, durch die Pachtbetriebe nach Darstellung der DZG gegenüber Management- oder Franchisebetreibern zusätzlich belastet würden.
Zur Gegenfinanzierung verweist die DZG auf zusätzliches Wachstum und damit verbundene höhere Steuereinnahmen. Weitere Mittel könnten nach ihrem Vorschlag durch den Verkauf von Bundesbeteiligungen, etwa an der Deutschen Telekom und Deutschen Post, bereitgestellt werden.
Quelle: www.zukunft-gastwelt.de