Bei einem Parlamentarischen Frühstück am 20. Mai in Berlin kritisierte eine Verbändeallianz aus Gastronomie, Großhandel und Lebensmittelwirtschaft die geplante Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung auf die Außer-Haus-Verpflegung. Die Branche warnt vor zusätzlicher Bürokratie, hohen Kosten und praxisfernen Vorgaben.
Vertreter aus Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung, Lebensmittelhandwerk, Industrie und Großhandel äußerten erneut deutliche Kritik an der geplanten Ausweitung der verpflichtenden Tierhaltungskennzeichnung auf die Außer-Haus-Verpflegung geäußert. Die Branche warnt vor erheblichen praktischen Problemen, zusätzlicher Bürokratie und steigenden Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Eingeladen zu einem Parlamentarischen Frühstück hatte eine Verbändeallianz aus dem Bundesverband der Systemgastronomie e. V. (BdS), dem Dehoga Bundesverband mit „Die Caterer im Dehoga“, dem Deutschen Tiefkühlinstitut (dti), dem Grosshandelsverband Foodservice e. V. sowie dem Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e. V. Diskutiert wurde mit Albert Stegemann MdB (CDU), stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat sowie Gesundheit, und Jens Behrens MdB (SPD), Tierschutzbeauftragter und Berichterstatter zum Tierhaltungskennzeichnungsgesetz der SPD-Bundestagsfraktion.
Unternehmen sehen tiefgreifende Folgen für den Betriebsalltag
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Praxisberichte aus den Mitgliedsunternehmen der beteiligten Verbände. Vertreter aus Systemgastronomie, Großhandel, Gemeinschaftsverpflegung und Bäckerhandwerk schilderten die Auswirkungen der geplanten Reform auf betriebliche Abläufe, Lieferketten und Logistikprozesse.
Nach Angaben der Verbände müssten Speisekarten, digitale Bestellsysteme, Displays oder Aushänge fortlaufend angepasst werden, da sich Warenströme und Haltungsformen im Betriebsalltag ständig verändern. Auch Liefer- und Verarbeitungsprozesse sowie IT-Systeme zur Rückverfolgbarkeit müssten umfassend umgestellt werden.
„Im Koalitionsvertrag hat uns die Bundesregierung versprochen, die Wettbewerbsfähigkeit der Lebensmittelwirtschaft zu stärken. Betont wurden Freiwilligkeit und Eigenverantwortung und das Ziel praxistauglicher Regelungen. Der vorliegende Gesetzesentwurf zur Reform des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes wird diesem Anspruch in keiner Weise gerecht: Er schafft massive neue Bürokratie und setzt keine geeigneten Anreize für mehr Tierwohl. Stattdessen schwächt er die Wettbewerbsfähigkeit unserer Branchen weiter – und das in einer Phase der Kaufzurückhaltung“, erklärte dti-Geschäftsführerin Sabine Eichner.
Weiter sagte Eichner: „Die Einbeziehung der Außer-Haus-Verpflegung und bestimmter verarbeiteter Lebensmittel in die Kennzeichnungspflicht erzeugt hohe Kosten und hält die Betriebe von ihrer eigentlichen Aufgabe ab: 82 Millionen Menschen jeden Tag mit guten Lebensmitteln zu versorgen.“
Kritik an Umsetzbarkeit und Rückverfolgbarkeit
Auch der Großhandel sieht erhebliche zusätzliche Belastungen. „Die Behauptung, das sei ohne nennenswerten Aufwand in der Lieferkette für den Außer-Haus-Markt umsetzbar, ist schlicht falsch. Wir stehen klar zu Tierwohl und Transparenz. Unser Appell an die Koalition lautet daher: Machen Sie Tierwohlpolitik mit der Wertschöpfungskette, nicht gegen sie. Kennzeichnen Sie dort, wo es sinnvoll ist — aber übertragen Sie kein Einzelhandelssystem auf einen Markt, der völlig anders funktioniert“, sagte Marcus Schwenke, Geschäftsführer des Grosshandelsverbandes Foodservice.
Die Verbände befürchten zudem negative Auswirkungen auf freiwillige Tierwohlmaßnahmen. Markus Suchert, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Systemgastronomie, verwies auf die komplexen Lieferketten bei Mischprodukten: „Die Systemgastronomie integriert schon heute freiwillig höhere Haltungsformen in Speisen wie Burger-Patties oder Bolognese-Sauce.“
Suchert ergänzte: „Aufgrund der komplexen Lieferkettenstruktur kann ein Betrieb jedoch nicht tagesaktuell ausweisen, welche Haltungsformen im gerade verwendeten Patty enthalten sind. Um die betriebliche Praxis rechtssicher zu gestalten, müsste immer mit der niedrigsten im Produkt enthaltenen Haltungsform gekennzeichnet werden.“
Bäckerhandwerk und Gemeinschaftsverpflegung warnen vor Praxisferne
Als Beispiel für die praktische Umsetzung verwies das Bäckerhandwerk auf den Austausch einzelner Zutaten im Tagesgeschäft. „Wenn bereits der Wechsel einer Salamipackung neue Kennzeichnungen erforderlich macht, zeigt das deutlich, wie praxisfern die geplanten Vorgaben sind“, sagte Friedemann Berg, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks.
Auch Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung sehen Probleme. „Damit geraten ausgerechnet die besonders sensiblen Bereiche der Versorgung zusätzlich unter Druck“, mahnte Jörg Rutschke, Vorsitzender von „Die Caterer im Dehoga“.
Jana Schimke, Hauptgeschäftsführerin des Dehoga Bundesverbandes und Moderatorin der Veranstaltung, verwies auf die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe: „Gerade kleine und mittelständische Unternehmen kämpfen bereits heute mit Kostensteigerungen, Personalmangel und wachsender Bürokratie.“
Schimke erklärte weiter: „Wir begrüßen den Dialog mit der Politik ausdrücklich. Klar ist aber auch: Auf den Austausch müssen nun konkrete Konsequenzen folgen. Wer Bürokratieabbau verspricht, darf keine neuen Kennzeichnungspflichten schaffen, die in der betrieblichen Praxis kaum umsetzbar sind. Eine Ausweitung der verpflichtenden Tierhaltungskennzeichnung auf die Außer-Haus-Verpflegung und verarbeitete Lebensmittel lehnen wir deshalb ab.“
Quelle: www.dehoga.de