Tierhaltungskennzeichnung: Verbändebündnis lehnt Ausweitung auf Gastronomie ab

Verbände warnen vor zusätzlichem Aufwand für Gastronomiebetriebe durch geplante Kennzeichnungspflichten bei tierischen Produkten. Foto: Wavebreakmedia /iStock/ Getty Images
Redaktion 23.04.2026 AKTUELLES  |  News

Ein breites Verbändebündnis aus Gastronomie, Industrie und Lebensmittelhandwerk lehnt die geplante Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung auf die Außer-Haus-Verpflegung ab. In einem gemeinsamen Positionspapier fordern die Organisationen, die entsprechenden Pläne aus dem Referentenentwurf zu streichen.

Das Bündnis, zu dem unter anderem der Deutsche Hotel- und Gastronomieverband (DEHOGA), der Bundesverband der Systemgastronomie sowie weitere Branchenverbände zählen, hat sich mit seiner Position an politische Entscheidungsträger in Bund und Ländern gewandt. Es richtet sich gegen die geplante verpflichtende Kennzeichnung in Restaurants, Kantinen und der Gemeinschaftsverpflegung sowie bei verarbeiteten tierischen Lebensmitteln.

Kritik an Tierhaltungskennzeichnung in der Gastronomie

Die Verbände argumentieren, dass die vorgesehenen Kennzeichnungspflichten mit erheblichem bürokratischem Aufwand verbunden wären. Dieser würde nach ihrer Einschätzung zu zusätzlichen Kosten führen, die letztlich an die Verbraucher weitergegeben werden müssten.

Besonders betroffen seien Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung wie Schulen, Kitas, Mensen und Kliniken. Steigende Preise könnten demnach vor allem Familien sowie ältere Menschen treffen. Gleichzeitig sei das Informationsbedürfnis hinsichtlich der Tierhaltungsformen beim Außer-Haus-Verzehr nach Einschätzung des Bündnisses gering ausgeprägt.

Hoher Aufwand für Betriebe erwartet

Nach Angaben der Verbände würde die Umsetzung der Kennzeichnungspflicht tiefgreifende Anpassungen in den Betrieben erfordern. Dazu zählen unter anderem der Aufbau neuer IT-Systeme, eine lückenlose Chargenrückverfolgung nach Haltungsformen sowie organisatorische Änderungen in Lagerung und Logistik.

Auch Speisekarten, digitale Bestellsysteme und Dokumentationsprozesse müssten regelmäßig angepasst werden. Dies führe zu dauerhaft erhöhten Kosten, die insbesondere kleine und mittelständische Betriebe vor Herausforderungen stellen könnten. Das Bündnis sieht darin eine zusätzliche bürokratische Belastung für die Unternehmen.

Auswirkungen auf Tierwohl befürchtet

Neben den wirtschaftlichen Aspekten verweisen die Verbände auch auf mögliche Auswirkungen auf die Tierhaltung. Sie befürchten, dass steigende Kosten entlang der Lieferkette dazu führen könnten, dass Betriebe verstärkt auf günstigere Produkte mit niedrigeren Haltungsstufen zurückgreifen.

Damit könnte die geplante Ausweitung der Kennzeichnung aus Sicht des Bündnisses kontraproduktive Effekte haben und bestehende Initiativen zur Verbesserung des Tierwohls beeinträchtigen.

Appell an politische Entscheidungsträger

Vor diesem Hintergrund fordert das Verbändebündnis, die Ausweitung der verpflichtenden Tierhaltungskennzeichnung auf die Außer-Haus-Verpflegung sowie auf verarbeitete tierische Lebensmittel nicht weiterzuverfolgen.

Statt zusätzlicher regulatorischer Vorgaben sprechen sich die Organisationen dafür aus, gemeinsam mit den Akteuren entlang der Wertschöpfungskette praxistaugliche Lösungen und gezielte Anreize für höhere Tierwohlstandards zu entwickeln.

Hintergrund zum Verbändebündnis

Zu den Unterzeichnern des Positionspapiers gehören neben dem DEHOGA unter anderem der Bundesverband der Systemgastronomie, das Deutsche Institut für Gemeinschaftsgastronomie, der Deutsche Fleischer-Verband, das Deutsche Tiefkühlinstitut, der Großhandelsverband Foodservice sowie der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks.

Quelle: www.dehoga.de