B.PRO-Geschäftsführer über die Zukunft der Speisenlogistik

Andreas Ostermann von Roth ist seit Anfang 2026 Geschäftsführer der B.PRO GmbH. Im Fokus stehen für ihn unter anderem Automatisierung und Robotik in der Speisenlogistik.
Andreas Ostermann von Roth ist seit Anfang 2026 Geschäftsführer der B.PRO GmbH. Im Fokus stehen für ihn unter anderem Automatisierung und Robotik in der Speisenlogistik. Foto: © B.PRO GmbH
Redaktion 11.09.2026 MAGAZIN  |  Küchenmanagement

Seit Anfang 2026 ist Andreas Ostermann von Roth Geschäftsführer der B.PRO GmbH in Oberderdingen. Im Interview spricht der frühere KUKA-Manager über Automatisierung und Robotik in der Speisenlogistik, den Personalmangel in Großküchen und die Frage, welche Aufgaben künftig automatisiert werden können.

Stichwort Automation: Welche strategischen Prioritäten setzen Sie für B.PRO?

Unser Markt verändert sich deutlich. Es geht immer weniger um einzelne Produkte und immer stärker um Systeme und Projekte, also um ganzheitliche Lösungen. Genau darin liegt für mich eine zentrale strategische Aufgabe für B.PRO. Wir wollen unsere Kunden noch stärker unterstützen, indem wir die Prozesse in der Speisenlogistik insgesamt verbessern – von Digitalisierung und Nachverfolgbarkeit bis hin zur Automatisierung.

Gerade in der Speisenverteilung und im Bereich Spülküche haben wir heute Lösungen, mit denen wir uns im Markt klar differenzieren. Die ersten Projekte sind bereits umgesetzt, weitere sind in Planung. Diesen Vorsprung wollen wir weiter ausbauen, ohne unser Standardgeschäft aus dem Blick zu verlieren.

Wichtig ist mir zudem, Automatisierung nicht nur als reines ROI-Thema zu betrachten. In vielen Küchen fehlt schlicht das Personal, auch weil dort teils unter belastenden Bedingungen gearbeitet werden muss. Wer möchte bei hohen Temperaturen in einer dampfigen Spülküche Teller waschen oder Besteck sortieren? Wenn wir mit unseren Lösungen dort entlasten, verbessern wir Abläufe und Arbeitsumgebung zugleich – und schaffen die Möglichkeit, Mitarbeitende gezielter für anspruchsvollere Aufgaben einzusetzen.

Können Sie an einem konkreten Beispiel erläutern, wie B.PRO solche ganzheitlichen Lösungen realisiert?

Ein typisches Einsatzfeld, in dem unsere Lösungen bereits heute greifen, ist die Speisenverteilung in der Krankenhausküche. Tabletts und Geschirr laufen automatisiert in den Prozess ein. Über die bereits preisgekrönte Smart Tray ID, eine Art QR-Code auf dem Tablett, der sich später rückstandlos auflöst, lassen sich die Informationen zum jeweiligen Essen eindeutig zuordnen. Die Mitarbeitenden sehen auf Monitoren direkt, wie das jeweilige Tablett zu bestücken ist und welche Anforderungen zu berücksichtigen sind, etwa bei Unverträglichkeiten oder speziellen Kostformen. Anschließend läuft das Tablett über unser Verteilband weiter und wird dann in den B.PRO-Speisentransportwagen geräumt. So entsteht ein Ablauf, der Sicherheit und Effizienz erhöht. Gleichzeitig trägt er dazu bei, Mitarbeitende im laufenden Prozess spürbar zu entlasten und personelle Engpässe besser aufzufangen.

Diesen Weg gehen wir konsequent weiter. Bald werden wir am Universitätsklinikum St. Pölten in Österreich eine Lösung vorstellen, die noch mehr Prozessschritte automatisiert.

Sie beschreiben die Automatisierung bei B.PRO als Entwicklung in vier Stufen. Welche Stufen sind das konkret?

Die erste Stufe ist die Mechanisierung klassischer Arbeitsschritte, also etwa das Sortieren und Verpacken von Besteck, aber auch das Auflegen von Besteck und Porzellanteilen sowie das Anheben von Tabletts aufs Förderband. Damit lassen sich Abläufe bereits heute deutlich vereinfachen und Mitarbeitende spürbar entlasten.

Die zweite Stufe ist für mich die digitale Unterstützung des Prozesses. Dabei geht es etwa darum, Informationen so bereitzustellen, dass Mitarbeitende im laufenden Ablauf genau sehen, was auf ein Tablett gehört und was dabei zu beachten ist. Das schafft mehr Transparenz, mehr Sicherheit und eine bessere Prozessführung.

Die dritte Stufe ist dann der Einsatz von Robotik, etwa mit Cobots, wie wir sie bereits auf Messen gezeigt haben. Solche Lösungen können zum Beispiel am Ende der Speisenausgabe oder am Beginn der Spülküche unterstützen und dort weitere manuelle Tätigkeiten übernehmen.

Und dann gibt es noch eine vierte Stufe, an der wir perspektivisch arbeiten. Dabei geht es möglicherweise um Themen wie die Bestecksortierung mit Robotern, ziemlich sicher aber um automatisierte Transportlösungen – etwa mit Automated Guided Vehicles (AGVs) – für Wagen, Geschirr und weitere Einheiten bis auf die Stationen. Heute sind viele dieser Anwendungen wirtschaftlich noch nicht in jedem Fall darstellbar. Aber die Entwicklung geht schnell voran, und ich bin überzeugt, dass wir in absehbarer Zeit auch hier Lösungen sehen werden, die für unsere Kunden praktikabel und wirtschaftlich interessant sind.

Wenn man diese Entwicklung konsequent weiterdenkt: Wie sieht Ihre langfristige Vision aus?

Für unsere Kunden liegt die Zukunft in einer Speisenlogistik, die als durchgängiger, intelligenter Kreislauf funktioniert – und dies ist auch meine Vision für B.PRO.

In Kliniken beginnt er zum Beispiel bei der Bereitstellung von Tabletts, Geschirr und Besteck, setzt sich über die individuelle Bestückung und Ausgabe fort, geht weiter über den Transport bis auf die Stationen und schließt auch den Rücklauf über die Spülküche mit ein. Die einzelnen Schritte greifen dabei digital vernetzt und zunehmend automatisiert ineinander. Das Ziel ist ein effizienter und stabiler Gesamtprozess.

Diese Entwicklung beschränkt sich nicht auf Krankenhäuser, sondern ist überall dort relevant, wo Speisenlogistik als zusammenhängender Prozess gedacht und organisiert werden muss.

Welche Themen prägen derzeit andere Bereiche der Gemeinschaftsverpflegung besonders?

Eindeutig die Schul- und Kita-Verpflegung. Mit dem Ausbau der Ganztagsbetreuung und dem ab 2026/27 greifenden Rechtsanspruch in der Grundschule gewinnt dieses Thema nochmals deutlich an Bedeutung. Wir haben die Weichen in diesem Bereich früh gestellt und mit der BASIC LINE Kids gezielt Module entwickelt, die auf die Anforderungen von Kindern ausgerichtet sind – etwa mit niedrigeren Ausgabehöhen von 750 mm. Dahinter steht nicht nur eine Produktidee, sondern ein klares Verständnis dafür, dass Verpflegung in Kitas und Schulen anders gedacht werden muss: zugänglicher, sicherer und näher an den tatsächlichen Abläufen vor Ort. Auch hier zeigt sich, dass gute Lösungen nicht nur den Kindern zugutekommen, sondern zugleich die Abläufe für das Personal erleichtern.

Sie stellen immer wieder die Mitarbeitenden in den Fokus. Das scheint Ihnen am Herzen zu liegen.

Für mich steht in diesem Zusammenhang nicht zuerst die Technik im Vordergrund, sondern der Mensch. Es geht darum, Arbeitsumfelder zu verbessern, die auf Dauer belastend oder, wie in manchen Großküchen, sogar gesundheitsschädlich sein können. Gerade dort kann Automatisierung einen echten Unterschied machen. Mir geht es ausdrücklich nicht darum, Menschen zu ersetzen, sondern Arbeit unter schwierigen Bedingungen zu erleichtern. Wir haben über Robotik und Automatisierung lange so gesprochen, als würden dadurch vor allem Arbeitsplätze verloren gehen. Ich halte das für zu kurz gedacht. Automatisierung steigert Produktivität. Und sie kann dazu beitragen, Arbeit menschlicher zu machen.

Die beste Lösung für den Kunden – das ist ein gutes Stichwort. In einer vernetzten Welt wie heute erreicht man dieses Ziel als Unternehmen nicht allein.

Nein, in der Tat. B.PRO hat schon immer auf verlässliche Partner gesetzt, um für seine Kunden die beste Lösung zu realisieren, und das werden wir auch in Zukunft tun. Dazu gehört für uns ganz ausdrücklich der Fachhandel, mit dem wir in engem Austausch stehen und den wir in seiner Tätigkeit bestmöglich unterstützen. Gleiches gilt für Fachplaner, die wir in der Zusammenarbeit aktiv begleiten.

Grundsätzlich gilt: Kein Unternehmen kann heute alle Technologien und Kompetenzen in derselben Tiefe selbst abdecken. Insbesondere bei Themen wie Robotik profitieren unsere Kunden davon, dass wir mit spezialisierten Partnern zusammenarbeiten und Know-how gezielt bündeln. So bleiben wir agil und innovativ.

Hinweis: Das Interview erscheint hier in einer redaktionell gekürzten Fassung. Die Langfassung des Interviews veröffentlicht B.PRO Ende September auf seiner Website.

Quelle: www.bpro-solutions.com