Der Dopamin-Effekt: Axel Boesen holt ersten Michelin-Stern und den Young Chef Award 2026

Mit dem ersten Michelin-Stern und dem „Young Chef Award 2026“ wurde Axel Boesen gleich doppelt ausgezeichnet. Im KÜCHE-Interview spricht er über den Weg dorthin und die Bedeutung der Ehrungen.
07.07.2026 MAGAZIN  |  Karriere

Mit dem ersten Michelin-Stern und dem „Young Chef Award 2026“ zählt Axel Boesen zu den großen Gewinnern der diesjährigen Michelin-Verleihung. Im KÜCHE-Interview „Nachgefragt“ spricht er über die Auszeichnung, den Weg dorthin und die Herausforderungen des Küchenalltags.

KÜCHE: Lieber Herr Boesen, zunächst herzlichen Glückwunsch zum „Young Chef Award 2026" sowie zum ersten Michelin-Stern für das „Dopamin". Was bedeuten Ihnen diese beiden Ehrungen persönlich, insbesondere nach Ihrer kurzen Zeit als Küchenchef?
Axel Boesen: Ehrlich gesagt habe ich beides erst richtig realisiert, als wir am nächsten Abend gemeinsam in der Küche standen. Ein Michelin-Stern und der Young Chef Award, und das nur neun Monate nach der Eröffnung – damit hatte niemand von uns gerechnet. Für mich ist das vor allem eine Bestätigung, dass der Weg, den wir eingeschlagen haben, richtig ist. Es macht mich stolz und demütig zugleich, denn ich weiß genau, dass ich das nicht allein erreicht habe.

Das „Dopamin“ wurde im September 2025 eröffnet. Wie ist es Ihnen gelungen, innerhalb weniger Monate eine eigene kulinarische Handschrift zu etablieren und gleichzeitig die Voraussetzungen für den Michelin-Stern zu schaffen?
Axel Boesen: Ich glaube, das gelingt nur, wenn man ein Fundament mitbringt, auf dem man aufbauen kann. Ich hatte das Glück, in einigen prägenden Küchen zu lernen – bei Beckers in Trier, bei Erfort in Saarbrücken und an weiteren Stationen. Aus jeder habe ich das Beste für mich mitgenommen. Besonders geprägt hat mich meine Zeit im „The Japanese" bei Dominik Sato und Fabio Toffolon im The Chedi in Andermatt.

Meine Handschrift entsteht genau aus dieser Verbindung: all die Erfahrungen, die ich über die Jahre gesammelt habe, mit meinem eigenen Verständnis von Kochen zusammenzubringen. Für mich heißt das, so viel wie möglich zu verwerten und aus dem Produkt herauszuholen, dabei aber vor allem eines nicht zu verlieren: den Spaß an der Sache. Ich möchte den Gästen kleine Dopamin-Kicks bereiten, Momente, in denen etwas überrascht. Dafür darf ein Gericht auch mal Ecken und Kanten haben, es muss nicht immer glattgebügelt sein. Diese Haltung – Handwerk ernst nehmen, aber mit Freude und Mut würzen – ist es, die uns schnell eine eigene Linie finden ließ.

Der „Young Chef Award" würdigt individuelles Talent und Entwicklungspotenzial, während der Michelin-Stern die Leistung des gesamten Restaurants auszeichnet. Wie erleben Sie dieses Spannungsfeld zwischen persönlicher Anerkennung und Teamleistung?
Axel Boesen: Für mich ist das kein Widerspruch, sondern gehört zusammen. Der Young Chef Award trägt zwar meinen Namen, aber ohne ein Team, das jeden Tag mit derselben Haltung arbeitet, gäbe es diese Auszeichnung nicht. Ich sehe mich eher als jemanden, der eine Richtung vorgibt und die Menschen um sich herum befähigt, ihr Bestes zu geben. Die persönliche Anerkennung nehme ich stellvertretend für alle an, die hinter den Kulissen mitwirken.

Welche Impulse konnten Sie gemeinsam mit Ihrem Team setzen, um die bereits hohe Qualität der Küche weiterzuentwickeln und gleichzeitig neue Akzente einzubringen?
Axel Boesen: Wir haben von Anfang an konsequent unsere eigene Idee von Küche umgesetzt – nie starr, sondern immer im Austausch. Ein wichtiger Impuls war für uns, genau hinzuhören: auf das Feedback aus regelmäßigen internen Probeessen und ebenso auf die Rückmeldungen unserer Gäste. Wir nehmen das sehr ernst, gehen aktiv darauf ein und feilen dann immer weiter an unseren Gerichten. So bleibt kein Teller stehen, wie er ist, alles entwickelt sich Schritt für Schritt weiter. Diese Offenheit, gepaart mit einer klaren eigenen Linie, ist für mich der entscheidende Faktor, um Qualität nicht nur zu halten, sondern stetig neue Akzente zu setzen.

Welche Erfahrungen und Stationen Ihrer bisherigen Laufbahn haben Ihnen dabei geholfen, in so kurzer Zeit sowohl die Jury des „Young Chef Award" als auch die Michelin-Inspektoren zu überzeugen?
Axel Boesen: Was am Ende überzeugt, ist selten ein einzelner Moment. Es ist die Summe vieler Prägungen. Bei Beckers in Trier habe ich das solide Handwerk verinnerlicht, diese Verlässlichkeit, die jeden Abend aufs Neue stimmen muss. Bei Erfort in Saarbrücken habe ich erlebt, was Anspruch auf höchstem Niveau wirklich bedeutet.

Am nachhaltigsten hat mich aber meine Schweizer Zeit im „The Japanese" mit Dominik Sato und Fabio Toffolon in Andermatt geformt. Dort habe ich eine andere Philosophie kennengelernt: den tiefen Respekt vor dem einzelnen Produkt und das Vertrauen darauf, dass weniger oft mehr ist. Diese Haltung trage ich bis heute in mir, und sie ist ein wesentlicher Teil dessen, was das Dopamin ausmacht.

Was all diese Stationen verbindet: Ich habe nie nur Techniken kopiert, sondern versucht, die Haltung dahinter zu verstehen. Genau das – Respekt vor dem Produkt und ein klarer eigener Anspruch – ist es, glaube ich, was am Ende überzeugt hat.

Inwiefern verstehen Sie auch den „Young Chef Award" als Auszeichnung für die gemeinsame Arbeit mit Ihrem Team?
Axel Boesen: Zu hundert Prozent. Eine Küche funktioniert nur als Kollektiv: Vom Commis bis zum Spülteam trägt jeder seinen Teil bei. Der Award würdigt zwar Entwicklungspotenzial, aber Potenzial entfaltet sich nur in einem Umfeld, das einen wachsen lässt. Insofern ist diese Auszeichnung für mich genauso ein Verdienst des Teams wie meiner selbst.

Was glauben Sie: Welche Auswirkungen werden der erste Michelin-Stern und der „Young Chef Award" auf die Wahrnehmung des Restaurants, die Reservierungsanfragen und die Positionierung in der Region haben?
Axel Boesen: Wir spüren die Aufmerksamkeit bereits, die Nachfrage ist deutlich gestiegen. Für die Region freut mich das besonders, denn Saarburg und Umgebung wird kulinarisch oft unterschätzt. Dabei haben wir hier hervorragende Produzenten und eine der spannendsten Weinlandschaften Europas. Wenn der Stern dazu beiträgt, dass Gäste bewusst hierher reisen, profitiert nicht nur das Dopamin, sondern die ganze Region. Das ist eine Verantwortung, die wir gern übernehmen.

Mit beiden Auszeichnungen rücken Sie und das Restaurant nun stärker in den Fokus. Verändern sich dadurch die Erwartungen der Gäste und steigt damit auch der Druck auf das Team?
Axel Boesen: Natürlich steigen die Erwartungen, das gehört dazu. Aber ich sehe das weniger als Druck, denn als Ansporn. Ein Stern ist keine Trophäe, die man ins Regal stellt, sondern ein Versprechen, das wir jeden Abend aufs Neue einlösen. Wichtig ist mir, dass wir uns davon nicht verkrampfen lassen. Die beste Küche entsteht, wenn Leidenschaft und Gelassenheit zusammenkommen.

Welche Prioritäten setzen Sie für die kommenden zwölf Monate, um die kulinarische Entwicklung des Restaurants nachhaltig fortzuführen und den eingeschlagenen Weg erfolgreich weiterzugehen?
Axel Boesen: Konstanz steht an erster Stelle – das Niveau zu halten und weiter zu verfeinern, ohne uns zu verzetteln. Gleichzeitig möchte ich das Team weiter stärken, denn nachhaltiger Erfolg entsteht durch Menschen, die bleiben und mitwachsen. Und wir wollen unsere Handschrift schärfen: noch enger mit regionalen Erzeugern arbeiten und die Verbindung von Küche und Wein weiter ausbauen. Der Stern ist für uns kein Ziel, sondern ein Anfang.

Wenn Sie auf die vergangenen Monate zurückblicken: Was war aus Ihrer Sicht der entscheidende Faktor dafür, dass Sie als junger Küchenchef so schnell sowohl mit dem „Young Chef Award" ausgezeichnet wurden als auch den ersten Michelin-Stern für Ihr Restaurant erreichen konnten?
Axel Boesen: Der entscheidende Faktor war eine klare Haltung von Anfang an. Wir wussten, wofür wir stehen, und haben das mit Freude und Konsequenz umgesetzt. Dazu kam ein Team, das diese Vision teilt, und der Rückhalt eines Familienbetriebs, der uns die Freiheit gegeben hat, mutig zu sein und auch mal Ecken und Kanten zuzulassen. Am Ende war es die Kombination aus dieser Haltung, dem Vertrauen und der richtigen Umgebung zur richtigen Zeit.

Herr Boesen, vielen Dank für das Gespräch.


Auszüge aus diesem Interview erscheinen in KÜCHE-Ausgabe 7/2026.