Internationale Auszubildende sind für das Gastgewerbe unverzichtbar. In seinem Entrée fordert Thomas Wolffgang, Vorsitzender des VKD-Landesverbands Mitteldeutschland, mehr Verantwortung bei der Gewinnung und Begleitung ausländischer Nachwuchskräfte. Im Mittelpunkt stehen Sprachförderung, Ausbildungsqualität und eine engere Zusammenarbeit aller Beteiligten.
Als Berufsschullehrer, IHK-Prüfer und durch den engen Austausch mit Arbeitgebern kenne ich die Kochausbildung aus vielen Perspektiven. Dadurch sehe ich nicht nur die Erfolgsgeschichten, sondern auch die Fälle, bei denen etwas grundlegend schiefläuft. Ich wünsche mir eine deutlich engere Zusammenarbeit zwischen Berufsschulen, Ausbildungsbetrieben und den Industrie- und Handelskammern, gerade wenn es um junge Menschen geht, die für eine Ausbildung nach Deutschland kommen. Wer sein Heimatland verlässt, vertraut darauf, dass wir ihm eine Perspektive bieten. Offiziell werden Sprachkenntnisse auf B1-Niveau vorausgesetzt. In der Praxis erleben wir jedoch immer wieder Auszubildende, die dieses Niveau gar nicht mitbringen. Während etwa der Dehoga bei der Auswahl häufig genauer hinschaut, gibt es auch kommerzielle Vermittler, die weniger sorgfältig arbeiten, und Betriebe, die mit der Ausbildung völlig überfordert sind oder die Situation sogar gezielt ausnutzen. Die Leidtragenden sind die jungen Menschen selbst. Bestehen sie die Prüfung nicht und müssen wieder ausreisen, ist niemandem geholfen – weder den Betrieben, die händeringend Fachkräfte suchen, noch dem deutschen Ausbildungssystem und schon gar nicht den Auszubildenden. Mit den Hoffnungen dieser Menschen dürfen wir nicht spielen. Der Gesetzgeber sollte die Anforderungen an die Auswahl und Begleitung von Ausbildungsbetrieben erhöhen. Die IHKs sollten ihre Ausbildungsberater noch stärker nutzen, um Betriebe zu schulen und regelmäßig zu überprüfen. Verbindliche Sprachkurse sollten selbstverständlich sein. Dabei möchte ich ausdrücklich betonen: Wir brauchen diese Auszubildenden. Es gibt viele positive Beispiele, die unsere Betriebe bereichern. Aber die traurigen Schicksale dürfen wir nicht einfach als Kollateralschaden hinnehmen. Wenn wir Fachkräfte nach Deutschland holen, dann tragen wir Verantwortung. Genau daran müssen wir arbeiten.
Quelle:
Dieses „Entrée“ ist in KÜCHE Ausgabe 7/26 erschienen.
Entdecken Sie weitere exklusive Fachbeiträge in der aktuellen Ausgabe von KÜCHE - Fachmagazin für Profiköche.