Refugee Canteen: Job-Chance für Geflüchtete

Bei der Arbeit in der Küche: Die Refugee Canteen unterstützt bei der Integration von Geflüchteten. Foto: Refugee Canteen
Von Benjamin Jürgens (32, Geschäftsführer der Beraterfirma Gastrolotsen) stammt die Idee der Refugee Canteen. Foto: Refugee Canteen
Vorschule für die Arbeit in professionelle Küchen: "Das kulturelle Verständnis der Branche und Gesellschaft vermitteln", so Benjamin Jürgens. Foto: Refugee Canteen
Thomas Klaus29.11.2018Karriere

Die Idee ist angesichts hoher Flüchtlingszahlen naheliegend. Eigentlich. Und doch war ihre Umsetzung schwieriger als gedacht: Menschen mit Migrationshintergrund oder Geflüchtete können als Beschäftigte eine große Chance für das Gastgewerbe sein und dabei helfen, die dortigen massiven Personalprobleme wirksam zu bekämpfen. Aber wenn sie unzureichend vorbereitet in die Branche eintreten, sind Konflikte und Probleme unausweichlich.

Eine Grundlagenausbildung für gastronomische Berufe ist also sinnvoll – und genau die will die Refugee Canteen in Hamburg liefern. Dabei genießt sie sogar offiziellen Status: Denn sie wird neben zwei Stiftungen von der Stadt Hamburg finanziert.

 

Refugee Canteen: praxisnahes Lernen, alltägliches Erleben

 

Die Refugee Canteen versteht sich laut Eigendarstellung als „erste gastronomische Vorschule“ für Menschen mit Migrationshintergrund und Geflüchtete, setzt dabei sowohl auf das praxisnahe Vermitteln von Fachkenntnissen als auch auf Erlebnisse in der „Echtwelt“ des Gastgewerbes – einige Partnerbetriebe machen´s möglich. Im besten Fall schließen sich dann eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, eine Duale Ausbildung oder eine ähnliche berufliche Perspektive an. Seit dem Start der Schule im Jahr 2017 wurden bereits zahlreiche Menschen so gut qualifiziert, dass sie in professionelle Küchen vermittelt werden konnten.

Wie die Vorschule funktioniert? Unter dem Titel „Refugee Canteen 2.0.“ rotieren gleichzeitig vier Teilnehmer an 15 bis 20 Tagen in den Bereichen Küche und Service. Dem folgt ein vierwöchiges Praktikum. Wer sich den „Küchen-Führerschein“ erarbeitet, der weiß nicht nur, wie etwa ein Arbeitsplatz gereinigt werden muss, sondern auch, unter welchen Voraussetzungen eine Krankmeldung erfolgen sollte. Und beim „Service-Führerschein“ kommt es zum Beispiel darauf an, Weingläser richtig zu polieren oder eine Bestellung korrekt aufzunehmen – oder auf eine Gästebeschwerde angemessen zu reagieren.

 

Einjähriges Mentoring-Programm stützt Integration von Flüchtlichen

 

Alle Menschen mit Migrations- oder Flüchtlingshintergrund sind grundsätzlich willkommen.

Das Einzige, was die Schüler auf jeden Fall mitbringen müssen, ist die grundsätzliche Freude an und Bereitschaft zu einer Tätigkeit in Küche oder Service. Ferner verfügen sie in der Regel über ausreichende Sprachkenntnisse.

Die Qualifikation wird von einem einjährigen Mentoring-Programm begleitet. Das hilft bei der Integration am künftigen Arbeitsplatz und darüber hinaus – etwa mit Unterstützung bei der Wohnungssuche oder Begleitung bei Behördengängen. Das Credo in den Worten von Benjamin Jürgens: „Wir müssen die Menschen auf die Füße stellen, damit sie selbst laufen können.“    

Die Idee der Refugee Canteen stammt übrigens von Benjamin Jürgens, und er führt ihre Geschäfte.

 

Kulturelles Verständnis in Branche und Gesellschaft fördern

 

Der 32-Jährige betont: „Es geht uns nicht nur um das Handwerkliche, sondern außerdem um das kulturelle Verständnis unserer Branche und Gesellschaft.“ Beide Seiten – sowohl Menschen mit Migrationshintergrund als auch ohne – müssten aufeinander zugehen, könnten und würden voneinander profitieren.

Aus Jürgens‘ Mund klingt das leidenschaftlich und überzeugend. Das hat nicht zuletzt mit seiner Biografie zu tun: Er wuchs mit vielen Ausländern im Hamburger Stadtteil Mümmelmannsberg auf, dessen Bewohner häufig am Existenzminimum leben. Später wurde er zum Beispiel in Ostafrika mit schlimmen Lebensbedingungen konfrontiert und gründete daraufhin in Deutschland mehrere soziale Projekte.

In der Gastronomie legte Jürgens eine autodidaktische Karriere vom Tellerwäscher zum Betriebsleiter und stellvertretenden Geschäftsführer hin. Seinen üppigen Erfahrungsschatz bringt er in die Beratungsfirma Gastrolotsen ein, deren Geschäftsführung er sich mit zwei Kollegen teilt. Die Gastrolotsen sind offizieller Träger der Refugee Canteen.